Fahrt nach Krefeld und Duisburg
Fa. Andritz-Küsters GmbH und Duisburg Innenhafen

An der Fahrt nach Krefeld und Duisburg am 12.10.2018 nahmen 38 Vereinsmitglieder teil.

Nach der Fahrt über die A46 und A57 erreichten wir pünktlich die Samt- und Seidenstadt Krefeld (ca. 230.000 Einwohner).

Bei der Andritz-Küsters GmbH wurden wir vom General Manager Operations Markus Rühling begrüßt. Am vorherigen Abend hatte die lange Nacht der Industrie mit Betriebsbesichtigungen stattgefunden.

Die Andritz Group hat ihren Sitz in Graz und macht als Anlagenbauer mit 25.600 Mitarbeitern in 250 Gesellschaften weltweit 5,9 Milliarden Euro Umsatz. Die Andritz Group ist in 4 Bereiche gegliedert: Hydro, Pulp&Paper, Metals und Separation.

Die Küsters GmbH wurde 2006 von Andritz übernommen und gehört mit ca. 320 Mitarbeitern zu Pulp&Paper. Am Standort in Krefeld ist außerdem ein Servicebereich von Separation mit ca. 45 Mitarbeitern angesiedelt. Zurzeit werden 19 Auszubildende und 6 Werkstudenten beschäftigt. Als Duales Studium wird das KIA Modell (Kooperative Ingenieurausbildung) mit einer auf 2 Jahre verkürzten Berufsausbildung und einem anschließenden begleiteten Studium durchgeführt.

Der Textilingenieur Eduard Küsters gründete 1949 ein Entwicklungsbüro für Textilmaschinen. 1956 wurde seine „schwimmende Walze“ patentiert. Als Beispiel für herkömmliche Walzen sahen wir eine alte Wäschewringmaschine. Hier biegen sich die Walzen bei Belastung in der Mitte durch. Die schwimmende Walze dreht sich als Zylinder auf einem feststehenden Innenteil und der Spalt („Nip“) kann durch Öldruck gleichmäßig über die Länge eingestellt werden. Dies ermöglichte eine bis dahin nicht gekannte gleichmäßige Veredelung von Textilstoffen.

Mehrere polierte, beheizte Walzen werden zu einer Kalandermaschine zusammengebaut und veredeln heute Textilien, Vliesstoffe und Papier in bis zu 12 m breiten Bahnen. Eine Weiterentwicklung der „schwimmenden Walze“ gelang 1994 mit der „Multi HV Walze“. Hier drücken mehrere einzeln gesteuerte hydraulische Stempel von innen gegen den Walzenmantel. Die Andritz-Küsters GmbH besitzt 600 Patente.

Auf Andritz-Küsters Siebsystemen, Pressen, Walzen und Kalandern werden vielfältige Produkte hergestellt: Teebeutelpapiere, Toilettenpapier, Küchenkrepp, Zeitungspapier bis Hochglanz-Fotopapier, Einmalkleidung, Windeln, Tetrapack, Kartonagen, Textilien. Eine komplette Papiermaschine ist bis 200 m lang.

Eine neue Anforderung sind sich leicht auflösende Feuchttücher.

Die Betriebsbesichtigung begann im Papier-Technikum. Auf der Technikumsmaschine können die unterschiedlichen Fertigungsparameter für verschiedenste kundenspezifische Papierqualitäten getestet werden.

In der Walzenfertigung sahen wir zuerst das neue 5-Achsen Bearbeitungszentrum mit 3 m Spitzenweite und 120 Werkzeugen. Teilweise werden die Oberflächen von Hand poliert. Eine spezielle Abteilung baut Hydraulikanlagen auch für andere Bereiche der Adritz-Group. Für Papiere mit Prägung werden die Walzen entsprechend geätzt. Spezielle Kalandergestelle erlauben einen schnellen Wechsel der Prägewalzen. Die Gestelle werden im Werk komplett montiert und getestet. Sehr große Maschinen müssen danach für den Transport wieder zerlegt werden.

Ein wesentlicher Anteil des Unternehmens ist die Reparatur und Aufarbeitung von Walzen. Hier ist der Umfang der Arbeiten schwer zu kalkulieren und muss oft in einem engen Zeitfenster gearbeitet werden.

Abgesehen von der Ätzung der Walzen wird die gesamte Fertigungskette bis zum Endanstrich im eigenen Haus durchgeführt.

In der Halle von Andritz Separation sahen wir große Rotoren aus der Abwassertechnik, die hier gereinigt und aufgearbeitet werden.

Herr Große erläuterte uns das kürzlich eingeführte „Shopfloor Management“. Hier finden täglich kurze (ca. 15 minütige) strukturierte Meetings mit visualisierten Kennzahlen statt. Die Bereiche Safety, Quality, Delivery (Auftragsdatenblatt), Termin, Kosten (Produktivität) und Manpower (Auslastung, Motivation) werden besprochen. Es wird häufig ein Ampelsystem mit rot, gelb und grün genutzt, wobei die schlechteste Bewertung in die nächst höhere Reporting-Ebene übernommen wird.
Im Bereich Safety werden „Lessons Learned“ dokumentiert. Bei der Produktivität gibt es „Quick Wins“, die auch als Verbesserungsvorschlag prämiert werden können.

Um 6 Uhr treffen sich hier Mitarbeiter und Meister; um 9 Uhr treffen sich die Meister der verschiedenen Abteilungen; um 9:20 Uhr findet die Auftragsdurchsprache mit dem Einkauf statt. So ist eine gute Kommunikation und Information aller Ebenen sichergestellt und es kann unmittelbar auf Abweichungen reagiert werden.

2018 konnten bisher alle Maschinen pünktlich ausgeliefert werden. Es zeichnet sich aber ab, dass lange Lieferzeiten der Vorlieferanten in den nächsten Monaten zu Problemen führen können.

Jürgen Stamm bedankte sich bei den sehr engagierten Mitarbeitern von Andritz-Küsters für die informative Führung.

Nach kurzer Busfahrt durch Krefeld erreichten wir mit deutlicher Verspätung das Restaurant Nordbahnhof. Hier herrscht noch historische Bahnhofsatmosphäre bei vorzüglichen Gerichten und Getränken. Im Sommer fährt hier sonntags die Krefelder historische Dampfeisenbahn „Schluff“.

Über die A57 und A40 ging die Fahrt dann weiter nach Duisburg. Am Museum Küppersmühle setzte uns der Bus ab und wir konnten einen herrlichen Spätsommernachmittag am Innenhafen mit interessanter Architektur und Gastronomie genießen.

Um kurz vor 19:00 Uhr erreichten wir wieder den Weyersberg.

Organisation:    Gerhard Moch und Jürgen Stamm
Bericht:                Roland Meis