VTI-Fahrt nach Bergisch-Gladbach + Königswinter

Besichtigung der Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch-Gladbach

Führung im Hotel Petersberg bei Königswinter

 

Am Mittwoch, den 10. August 2011, nachdem alle Teilnehmer zugestiegen waren, fuhren wir mit einem Reisebus des Unternehmens Wiedenhoff, am Steuer Herr Goodwill, durch das Bergische Land (über Burscheid und Odenthal) nach Bergisch-Gladbach.

Fast pünktlich trafen wir bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (im weiteren Bericht kurz BASt genannt) ein, wo wir von Herrn Überschär begrüßt wurden und in einer anschließenden Multimediaschau über den Auftrag, die Aufgaben und die Ziele der BASt informiert wurden. Die BASt ist ein technisch-wissenschaftliches Institut des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Sie gibt dem Ministerium in technischen und verkehrspolitischen Fragen wissenschaftlich gestützte Entscheidungshilfen und wirkt maßgeblich bei der Ausarbeitung von Vorschriften und Normen mit. Fünf Fachabteilungen sind zuständig für Straßenbautechnik, Brücken- und Ingenieurbau, Straßenverkehrstechnik, Fahrzeugtechnik sowie für das Verhalten und die Sicherheit im Verkehr. 420 Mitarbeiter, darunter viele Wissenschaftler und Ingenieure aus mehr als 40 Fachrichtungen, arbeiten an diesen Aufgaben.

Danach führten uns Herr Porschen und Frau Posbach zu den verschiedenen Versuchsanlagen auf dem weitläufigen Gelände.

Frau Golokowsi erklärte uns in der ersten Halle den Aufbau einer Modellstraße und die Versuchsreihen, die auf dieser Fahrbahn mit diversen LKW-Modellen (Achskonfigurationen und Achs-/Radlasten) gefahren werden. So können unterschiedliche Straßenkonstruktionen auf ihr Verhalten bei differenzierten Verkehrslasten untersucht und die Verkehrsbelastungen im Zeitraffer simuliert werden. So wird das Verhalten des gesamten Straßenaufbaus kosten- und zeitsparend erforscht.

Herr Gläser zeigte uns auf dem Prüfstand Fahrzeug/Fahrbahn den Trommelprüfstand, der klimatisier- und bewässerbar ist, die Zusammenhänge von Griffigkeit und Verschleiß sowie Geräuschentwicklung von PKW- oder LKW-Reifen.

Frau Zedler demonstrierte uns in der Halle für Verkehrstechnik die Rundlaufprüfanlage zur Messung von Rollwiderständen und der Ermittlung des Verschleißes von Fahrbahnmarkierungen. Beide Prüfstände sind mit auswechselbaren Fahrbahnkassetten ausgerüstet und können mit hohen Geschwindigkeiten (über 200 km/h) gefahren werden. In einem Nebenraum erklärte uns Frau Zedler auch Prüfstände, auf denen die Reflexionen von Fahrbahnmarkierungen und deren Bremseigenschaften ermittelt werden können.

Herr Böhme erläuterte in der Halle für Unfallforschung die Entwicklung der Dummies für die Crash-Prüfstände und deren Kalibrierung, um aussagekräftige und vor allem reproduzierbare Messergebnisse zu erhalten. Jetzt wissen wir, was wir uns unter den Begriffen einer 5%-Frau, einem 50%-Mann oder gar einem 95%-Mann vorzustellen haben und wodurch sich europäische von amerikanischen Dummies unterscheiden.

Leider hatten wir zu der letzten Halle mit der Fahrzeugtechnischen Versuchsanlage keinen Zugang, da ein Hersteller hier Crash-Versuche durchführte und die somit geheim waren.

Nach diesen hochinteressanten Stationen brachten uns Herr Porschen und Frau Posbach wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt, wo sich Herr Stamm in unserer aller Namen für den höchst informativen Rundgang bedankte.

In der Kantine konnten wir uns nach diesem anstrengenden Vormittag stärken, bevor es gegen 14 Uhr weiter nach Königswinter ging. Bei zwischenzeitlich eingetroffenem VTI-Wetter brachte uns Herr Goodwill durch einige Kehren sicher hinauf auf den Petersberg, einen der Berge des südlich von Bonn liegenden Siebengebirges auf der rechten Rheinseite mit einer Höhe von 331 Metern über dem Meer.

Um 15.30 Uhr erwarteten uns Frau Sichert und Frau Dr. Petzelberger von der Bonn Touristik, um uns durch das 5-Sterne Hotel zu führen, das zur Zeit noch von der Steigenberger Hotel AG betrieben wird, aber gleichzeitig auch noch als Gästehaus der Bundesregierung fungiert. Das Grandhotel Petersberg verfügt über 88 Zimmer und 11 Suiten, die wie die Salons nach Bundesländern benannt sind und wertvolle Kunstwerke und Antiquitäten enthalten. 14 Veranstaltungsräume für bis zu 1000 Gäste mit einmaligem Ausblick auf die Landschaft stehen zur Verfügung.

Durch die beeindruckende Empfangshalle über die Wandeltreppe ging es hinunter in die berühmte Rotunde und von dort in den großen Festsaal, weiter durch Säle für kleinere Festlichkeiten und wieder hinauf vorbei an einzelnen Salons zum Kaminzimmer, in dem die standesamtliche Hochzeit von Michael Schumacher stattfand. Mir persönlich gefiel dieser Raum am besten, denn er strahlte im Gegensatz zu den anderen eine gewisse Heimeligkeit aus. Als nächstes führte man uns in die große Luxussuite „Berlin“ mit 240 Quadratmetern, vier Betten in zwei Schlafzimmern und sechs Toiletten. Hinaus traten wir auf die riesige Terrasse, von wo wir die phantastische Aussicht über das Rheintal vom Drachenfels über die Höhen der Voreifel, über Bad Godesberg bis nach Bonn genossen. Unsere Guides brachten uns dann wieder zurück in die Eingangshalle, nicht ohne uns einige Geschichten zu erzählen, die sich in diesem historischen Gebäude oder auch darum herum ereigneten, wie z. B. der Unfall von Leonid Breschnew mit seinem nagelneuen Mercedes 450 SLC bei der ersten Probefahrt hinunter ins Tal.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Petersberg bis 1952 Sitz der Alliierten Hohen Kommissare. Am 22. November 1949 nahm hier unser erster Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer das „Petersberger Abkommen“ entgegen. Es ermöglichte der noch jungen BRD den Beitritt in internationale Organisationen. Danach diente das Hotel zeitweise als Residenz für hohe Staatsgäste, unter anderem für Schah Reza Pahlewi und Kaiserin Soraya, für Königin Elizabeth II. und auch für den schon oben genannten Leonid Breschnew, Michail und Raissa Gorbatschow, Kaiser Akihito, Nelson Mandela, Bill Clinton mit seiner Frau Hillary, Königin Margarete II. und noch manch andere. In der neueren Politik sind die Afghanistan-Konferenz von 2001 und die Folgekonferenz von 2003 zu erwähnen.

Nach so viel Geschichte und Geschichten verabschiedeten wir uns von unseren Guides, um uns auf der Rheinterrasse noch mit Kaffee und Kuchen zu stärken und noch einmal den Ausblick zu genießen. Anschließend brachte uns Herr Goodwill wieder wohlbehalten an unsere Ausgangspunkte in Solingen zurück.

Am Tag danach, dem 11. August, gab die Bundesregierung in der Presse bekannt, dass sie den Petersberg offiziell zum Verkauf ausgeschrieben hat.

Danken möchten wir Herrn Stamm, der die Idee zu dieser schönen Exkursion hatte und sie auch organisatorisch hervorragend umsetzte und betreute.

Gerhard Moch (Schriftführer)